Rüsselkäfer – Der Feind in meinem Garten (2)

Mittlerweile habe ich schon oft Bekanntschaft mit dem Gefurchten gemacht. Ich weiß sehr gut, wie er aussieht. Nachts kommt er hervorgekrochen und wenn man ihn auf den Boden wirft und zertritt, dann gibt es ein laut knackendes Geräusch. Krrrrrrt. Noch einer. Krrrrrrt.

Ein Gefurchter nachts zwischen den Helleborus-Pflanzen

Herr Grünspan hat die Käferjagd mittlerweile zu seinem kleinen schmutzigen Hobby in der Dämmerung gemacht. Sobald es dunkel wird, durchstreift er mit einer Taschenlampe den Garten und gibt nicht auf, bis er mindestens eine handvoll Übeltäter erwischt hat. Abgebrühter als ich es bin, zermalmt er die Chininpanzer zwischen Daumen und Zeigefinger. Krrrrt. Krrrrt. Krrrrt. Zehnmal. An schlechten Tagen auch nur vier- oder fünfmal.

Jetzt habe ich ein Gefühl dafür, was es bedeutet, dass der Gefurchte in seinem Speiseplan äußerst variabel ist. Der frisst fast alles! Funkenblatt, Wein, Helleborus, Efeu, Rhododendron, Rodgersien, selbst am Walnussbaum sind die Blätter angeknabbert. Saurer Boden bevorzugt.

Es hat lange gedauert, bis ich begriffen habe, dass diese Eibe keine Trockenschäden hat, sondern, dass hier der Gefurchte sein Unwesen treibt

Buchtenfrass. Typisches Schadbild. Immer am Rand. Und fast immer die jungen Blätter.

Dabei, so habe ich gelesen, sind diese Fraßspuren nur ein rein optisches Problem. Richtig fies sind die Larven in der Erde. Die nämlich fressen von unten die Wurzeln an. Erst unsichtbar. Doch eines schönen Tages implodiert die ganze Pflanze. Blätter welk, fallen ab, Stängel verdorren. Garten kahl.

So sehen die Larven aus: Cremeweiss, gekrümmt, gespenstisch mit ihrem bräunlichen Kopf © dr. h. haardt

Ich finde Fotos dieser Larven im Netz.

Ich würde ja gern mal so eine Parkanlage sehen, die der Gefurchte bereits völlig von der Landkarte gefressen hat. Soll es geben. Sagt das Internet. Keine Bilder gefunden. Fake News?

Und jetzt im Juli, August läuft die Larvensaison auf Hochtouren. Jeder Käfer kann bis zu 1000 Eier ablegen. Jedes Mal Krrrrt also 1000 Eier weniger in meinem Garten. Naja, niemand weiß, ob der Gefurchte die Eier schon gelegt hat, oder nicht.

Und ab August schlüpfen die Larven. Habe gerade entdeckt, dass das Wort Larve aus dem Lateinischen stammt von larva = Gespenst. Cremeweiße gekrümmte Gespenster, die an den Wurzeln fressen und sich zur Verpuppung kleine Erdhöhlen graben.

So sieht ein frisch geschlüpfter Rüsselkäfer aus
© dr. h. haardt

1000 Eier pro Käfer! Das ist ein ungleicher Kampf. Da gerät das abendliche Absammeln der nachtaktiven Plagegeister zu einer Art meditativem Spaziergang durch den Garten. Nett, aber sinnlos.

Nematoden müssen her. Das sind Fadenwürmer, die in allerkleinste Öffnungen der Larven kriechen und sie von innen zersetzen. Gespenstisch.

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