Farbrausch im Blattwerk

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Seltsam. Eine Frostnacht Anfang Oktober bringt die Kürbisblätter um und beschert doch gleichzeitig diesen fantastischen Farbrausch der Laubblätter. Für solch einen Herbst braucht es  eine möglichst große Temperaturspanne zwischen sonnigen warmen Herbsttagen und eiskalter Nacht – eine Nacht reicht schon. Diese eine Nacht fungiert quasi als Initialzündung für den Chlorophyllabbau im Blatt.

 

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Das Grün des Chlorophylls verschwindet und zum Vorschein kommt Gelb. Dieses Gelb ist schon das ganze Jahr im Blatt versteckt, es wird nur durch das Grün überdeckt. Je weniger Grün im Blatt, desto stärker tritt das Gelb hervor. Die roten Farbtöne dagegen werden erst jetzt im Herbst neu gebildet. Warum? Darüber rätselt die Wissenschaft noch.

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Deshalb funktioniert auch der Indian Summer – der rote Farbrausch des Zuckerahorns in Amerika und Kanada – so verlässlich. Ein stabiles Hochdruckgebiet lässt tagsüber bei Temperaturen um die 20 Grad die Sonne scheinen, nachts aber wird es bitterlich kalt. Signal zum Farbwechsel und Signal des Baumes selbst. Denn es gibt unter BiologInnen eine Theorie, die besagt, dass sich der Baum mit seiner herbstlichen Färbung gleichzeitig gegen Blattläuse schützt. Signaltheorie. Durch seine intensive Färbung gibt der Baum zu erkennen: Ich bin gesund! Blattläuse legen im Herbst ihre Eier im Baum ab, im Frühjahr beim Blattaustrieb fängt dann das große Fressen an. Da Blattläuse verstärkt kranke und geschwächte Bäume angreifen, meiden sie die besonders gefärbten. So die Theorie. Allerdings hat jede Theorie ihre Achillesferse. Ja, es stimmt, Blattläuse zeigen eine Vorliebe für grüne Blätter. Können sie allerdings zwischen rot und gelb wählen, bevorzugen sie gelb. Seltsam, weil Blattläuse keinen Fotorezeptor auf ihrem Facettenauge für rot haben.

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Doch egal ob beim Indian Summer in Vermont, Massachusetts oder Dresden, bevor sich das Laub färbt, saugt der Baum sein Blattgrün förmlich auf. Er recycelt es, er lagert das Chlorophyll im Stamm und in den Wurzeln an, um gut über den Winter zu kommen. Eichhörnchen sammeln Nüsse, Bäume sammeln Blattgrün, bevor sie ihre Blätter, mehr oder weniger frei von Chlorophyll, dem Herbstwind anvertrauen.

 

 

 

Comments

  1. Entgegen dem Farbrausch konzentrieren wir uns auf silbrig Schimmerndes und kombinieren weisse Beeren mit grauem Blattwerk.

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